Sinnvolles: Psychosoziale Hilfe für Flüchtlinge – Der Verein XENION e.V.

Kunst und Kultur.
Quelle: XENION  e.V.
Quelle: XENION e.V.

Wir verbringen durchschnittlich 2 Stunden und 46 Minuten pro Tag im Internet (Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie 2014). Wir scrollen mit einem Auge über die neusten Aktualisierungen von Freunden, Bekannten oder Prominenten bei Facebook, lesen parallel halbherzig einen Artikel bei Spiegel Online und klicken uns nebenher durch die entzückenden Katzenvideos, die das World Wide Web täglich in rauen Mengen ausspuckt. Insbesondere Social Networks wie Facebook und Co. kriegen uns immer wieder. Erst kürzlich haben wir uns dabei ertappt, wie wir uns in eine – mit Verlaub – ziemlich dämliche Diskussion zu der vom Zentrum für politische Schönheit organisierten Veranstaltung, dem “Marsch der (Un-)Entschlossenen”, recht lange festlasen. Vermeintlich komplett gegnerische Parteien stritten sich hochgradig erregt wie empört über das Für und Wider des dramaturgisch interessanten Protestmarschs zur deutschen Asyl- bzw. Flüchtlingspolitik. Das Problem an der Angelegenheit: Die Zeit, die man damit zubrachte sich gegenseitig virtuell Beschimpfungen vor den Latz zu knallen, hätte man wirklich sinnvoller nutzen können, was wir schlussendlich auch halb pampig in die Diskussionsrunde schmetterten.

Tatsächlich haben wir uns danach selbst etwas geschämt. Dass auch wir zuhause in unserer komfortablen, kleinen Wohnung sitzen und aus der Ferne große Töne spucken. Es geht jeden Tag verdammt viel Zeit für etwas drauf, das kaum Substanz hat. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass wir in zwanzig dreißig Jahren zufrieden zurückdenken und unseren künftigen Kindern/Partnern/Haustieren von dem einen Mittwoch erzählen, an dem wir diese irre Diskussion bei Facebook führten oder dass wir selbst eines Tages denken: Jep, da haben wir mal was Sinnvolles getan.

Sinnvolles dagegen leisten die Menschen von XENION e.V.. Psychologen, Sozialpädagogen und viele andere kluge Köpfe helfen traumarisierten Flüchtlingen und Opfern von teils schockierend extremen Menschenrechtsverletzungen bereits seit 1986 in Form von therapeutischer Behandlung. Ein stattliches Team schafft mittels kreativer Therapieansätze, sozialer Beratung und Bildungsmaßnahmen einen kleinen Schutzraum für all jene, die so dringend eine kräftige Schulter zum Anlehnen oder eine helfende Hand brauchen.

Das Besondere: XENION bietet außerdem ein ziemlich tolles Mentoringprogramm für Flüchtlinge an, die angesichts des fremden, hektischen Alltags in Deutschland überfordert sind. Ehrenamtliche Mentoren begleiten da, wo es gerade notwendig ist. Sei es beim Gang zum Amt, dem Arztbesuch oder einfach mal bei einem Spaziergang durch die unbekannte Stadt. Manchmal hilft schon ein regelmäßiger, flüchtiger Kaffee mit einem freundlichen Menschen, um sich in einer rasend schnelllebigen, anonymen Stadt wie Berlin nicht mehr ganz so verloren zu fühlen.

Derzeit ist das Mentoringprogramm von XENION voll. Ehrenamtliche, die ein bisschen helfen, werden aber immer wieder gesucht. Und seien wir ehrlich: Wie sehr würde es uns tatsächlich schmerzen, wenn wir wöchentlich ein paar Stunden unserer Zeit opfern würden, um etwas weniger im Internet und stattdessen mehr in der Welt da draußen unterwegs zu sein? Genau, eigentlich gar nicht. Wir persönlich möchten uns jedenfalls nicht vorstellen, wie es sich anfühlen muss teilweise mutterseelenallein in ein unbekanntes Land zu kommen, in dem wir nichts und niemanden kennen.

Wir haben uns auf alle Fälle fest vorgenommen künftig lieber etwas in der Realität fernab des Laptops zu unternehmen, anstatt bei Facebook über die schlechte Asylpolitik Deutschlands zu zetern. Mehr machen statt reden quasi. Einen Versuch ist es wert.

XENION e.V. bei Facebook.