Ein televisionbedingter Wutausbruch. Warum wir den Sender SIXX nicht mehr ertragen.

Kunst und Kultur.

Der einzige Vorteil, wenn man krank ist, besteht darin, Stunden und aber Stunden interessante Dokumentationen und Reportagen im Fernsehen zu sehen. Der immense Nachteil: Um zu dem spannenden, faszinierenden Zeugs zu kommen, muss man sich unweigerlich auch durch Programme wie das des TV-Senders SIXX klicken. Was wir da gesehen haben und warum uns das so wütend macht:


Wir gehören definitiv nicht zu den Menschen, bei denen ausschließlich die öffentlich-rechtlichen Sender laufen. Wir schauen auch nicht 90% der Zeit anspruchsvolle Sachen. Im Gegenteil: Wir stehen auf Serien und da dann durchaus auch zum zehnten Mal sämtliche Staffeln von “Sex and the City” oder “Grey’s Anatomy”. Wenn wir im Erkältungsvirendelirium auf der Couch liegen, tut es auch die zwanzigste Sendung über Cover-up Tattoos. Da kichern wir dann grenzdebil vor uns hin, wenn wir amerikanische Frauen in ihren späten 40ern sehen, die sich aus Ärger über den Ex-Mann rachesüchtig ein Teufelchen auf das Schambein haben stechen lassen und das Ganze nun verschämt überdeckt haben wollen.

Manchmal ist der seichte Quatsch genau das Richtige und der Sender SIXX bietet Dutzende derartiger Sendungen. Darüber kann man denken, was man will aber wir stehen dazu. Manchmal mögen wir das, was man auf unserem Gymnasium oft abfällig “Unterschichtenfernsehen” genannt hat. Und hey, wir kommen schließlich aus Neukölln. Da muss das so.

Womit wir jedoch überhaupt nicht klarkommen, ist das, was SIXX in den Werbepausen abliefert. Ein Diätdrink jagdt das nächste, flüssige Nahrungsergänzungsmittel, das 100%ig super schnell dafür sorgt, dass Frau endlich die angestrebten Modelmaße erreicht. Was anderes sieht man auf SIXX nämlich nicht: überschlanke, perfekt gestylte Frauen wohin das Auge auch blickt.
Will die Werbung uns nicht gerade einen niiiiieeeedlich pinkfarbenen Diätdrink inklusive Ernährungsumstellungspaket aufschwatzen, der zum ach so gesunden Lifestyle dringend sein muss, sind es Sportkurse im Internet oder auf DVD.

Versteht uns nicht falsch, wir haben selbst schon mehr oder minder begeistert, schwitzend und nach Luft japsend vor dem ein oder anderen Youtube-Fitness-Video geturnt. Wir wissen es sehr wohl zu schätzen, dass man bequem von zuhause aus anhand diverser Clips etwas für seine Gesundheit tun kann. Was wir jedoch unmöglich finden, ist der Umstand, dass Werbepausen auf SIXX ausschließlich damit gefüllt sind, der Zielgruppe – also jungen Frauen – einzutrichtern, wie sie sich möglichst effektiv und zackig verdünnen können. Immer alles unter dem schönen Motto: Ihr seid so nicht okay. Ihr müsst besser, fitter und vor allem dünner werden. Und wenn ihr das mit Sport nicht hinbekommt, dann hört doch einfach auf zu essen und trinkt stattdessen unseren feschen pinkfarbenen Drink. Oder esst halt direkt Eure eigenen Haare. Das verkleinert das Magenvolumen auch vollautomatisch.

Wir halten nichts davon mit dem erhobenen Finger auf andere Menschen zu zeigen und zu zetern aber nach zwei Tagen Zwangspause auf dem Sofa vor dem Fernseher sind wir regelrecht wütend. Jedes popelige Frauenmagazin berichtet mittlerweile differenzierter und nachdenklicher in Sachen Weiblichkeit. Nicht so bei SIXX. Anstatt die Chance zu nutzen hier ein realistisches Bild von Frauen zu kreieren und die Damenwelt in all ihrer wunderbaren Vielfalt zu zeigen, wird etwas erschaffen, das am Ehesten an das Modell “Barbie” ranreicht. Die perfekte Frau. Dünn, sportlich, immer aktiv, nie faul, stets makellos gestylt und ausschließlich an ihrem Aussehen, ihrem Ehemann, ihrem Handy und der tadellosen Außenwirkung interessiert. Wir sind enttäuscht. Und wütend. Und werden künftig darauf verzichten unsere Serien auf diesem Sender zu schauen. Das ist es nicht wert. Wenn wir noch einen Fitness-Werbespot von Sophia Thiel, Detlef Soost, Fernanda Brandao, Daniel Aminati und wie sie alle heißen, sehen müssen, kommt uns nämlich unser Mittagessen wieder hoch. Damit würden wir vermutlich prima in die Zielgruppe von SIXX passen aber sorry, nee. Uns seid ihr los.