Warum wir die dritte Staffel von “Transparent” nicht zu Ende gucken werden.

Kunst und Kultur.

Die Amazon eigene Serie “Transparent” geht in die dritte Runde. Nachdem wir dem Familienvater, Ex-Professor und Politikwissenschaftler Mort Pfefferman bereits zwei Staffeln begierig bei seiner Verwandlung zu Maura Pfefferman zugesehen haben, verstand es sich von selbst, dass wir auch den dritten Teil bereit waren in rasendem Tempo zu verschlingen. Warum nun alles anders kam.


Als wir im letzten Jahr zufällig über die Serie “Transparent” stolperten, waren wir restlos begeistert. Was waren wir verliebt in die kruden, so ganz eigenen Charaktere, die Bildsprache und die eigentümlich langsame Erzählweise der Serie. Wir mochten die distanzlose aber zugleich freundlich unaufdringliche Darstellung der Transfrauen und -männer, der Lesben und Schwulen, der Bi- und Asexuellen. “Transparent” zeigte, was viele andere Serien und Filme rund um Sexualität und Gender oft ausklammern: das normale Leben. Die kleinen, stillen und ganz banalen Sorgen und Freuden des Alltags, die neben all den großen Themen wie Geschlechtsangleichung, Innen- und Außenwahrnehmung, Selbstfindung und Co. nicht zu vergessen sind.

Wie oft hatten wir uns darüber geärgert, dass homosexuelle Paare in Serien meist auf die Angst davor reduziert werden, was Freunde, Familie oder Arbeitgeber zu ihrer Sexualität sagen würden. Bestenfalls wird diesen Pärchen in Serien wie “Modern Family” oder “The Fosters” noch ein Adoptionsprozess zugestanden. “Transparent” war da anders. Hier sahen wir alles. Leben, lieben, sterben.

Seit kurzem ist nun auch die dritte Staffel auf Deutsch bei “Amazon Prime Instant Video” zu sehen. Ein Grund zur Freude – dachten wir zumindest. Ganze vier Folgen haben wir geschafft zu sehen, bis wir nun entkräftet aufgaben. Die Enttäuschung ist groß und die Irritation ebenfalls. Mögen die Produzenten Victor Hsu und Jill Soloway ihre Charaktere möglicherweise nicht mehr? Sollen wir die Protagonisten allesamt beginnen zu hassen? Immer unsympathischer und extremer werden Rollen wie die der erwachsenen Pfefferman-Kinder Sarah, Josh und Ali gezeichnet.

Immer depressiver scheinen die Charaktere allesamt zu werden, ganz gleich wie weit sie sich zu entwickeln scheinen. Da droht in Folge 1 eine transsexuelle Anruferin der LGBT-Telefonseelsorge, bei der Maura mittlerweile ehrenamtlich arbeitet, gleich mal mit Selbstmord. Drei Folgen später stürzt sich dann tatsächlich ein Nebencharakter in einer Mall aus der obersten Etage über die Brüstung. Und auch Maura ist deprimiert. Ihre Geschlechtsangleichung soll nun auch operativ von Statten gehen, was Maura weitestgehend im Alleingang entscheidet. Dabei verhält sie sich gegenüber ihren Lieben derart ruppig und so wenig verständnisvoll, dass man sich manches Mal fragt, was aus der so um ihre Kinder bemühten Person geworden ist, die man in den ersten Staffeln so liebgewonnen hatte.

Regelrecht angeekelt waren wir jedoch schlussendlich von der Rolle der Sarah Pfefferman, die uns mit ihrem beinahe wahnsinnigen Verhalten von Anfang an Probleme bereitet hatte. Spätestens wenn die zweifache Familienmutter mit der Vorliebe für Gras und SM beim Rollentausch über ihrer Domina steht und diese anbrüllt, sie würde ihr den Kopf abhacken und in ihren Hals pinkeln wollen, dann fragt man sich, was die Serienmacher hier eigentlich bezwecken. Das Verhalten der eigentlich so sympathischen, weil völlig eigenen Charaktere ist in keinsterweise mehr nachvollziehbar.

Hat man in Staffel 2 noch bewundert, wie die Protagonisten ganz selbstverständlich jegliche Form von Sexualität frei auslebten, beginnt man sich in Staffel 3 zu fragen, was sie eigentlich so ruiniert hat. Worauf das Ganze hinausläuft? Letztlich liegt die Schlussfolgerung nahe, dass die verstörende Tatsache eines Elternteils, der im falschen Körper geboren wurde, die Pfefferman-Kinder nachhaltig verkorkst hat. Ein Fazit, das man als Zuschauer beinahe ziehen muss, das uns aber derart missfällt, dass wir beschlossen haben die Serie nicht weiterzuschauen. Der Aspekt, dass alles von derart viel Tristesse und Zerstörung geprägt ist, dass man beim Erklingen der Abspannmelodie vollends deprimiert ist, dürfte sein Übriges dazu beigetragen haben.

Denn seien wir ehrlich: Wir schauen Serien und Filme, weil wir Zerstreuung suchen. Weil wir unterhalten werden und uns von der so oft traurigen Realität wenigstens kurzzeitig ablenken wollen. Wenn wir uns in Elend suhlen wollen, können wir die “Tagesschau” anschalten oder eine Dokumentation über eines der zahlreichen Kriegsgebiete dieser Welt schauen.  Das war ein Schuss in den Ofen, liebes “Amazon Prime Instant Video”-Team.

Weitere Infos online:
“Transparent” bei Amazon Prime.