Plastik, Baby.

Highlights, Kaffeepause

Eigentlich wissen wir es doch schon lange: Plastik ist alles andere als geil. Zumindest wenn man nicht nur an heute denkt. Oder an sich. Ein Plädoyer für weniger Verpackung im Alltag.


Wir hatten in unserem Leben bislang leider nicht allzu häufig die Gelegenheit an wirklich einsamen Stränden spazieren zu gehen. Dahin, wo man normalerweise nicht hinkommt, weil das Meer bei Flut bis weit oben an die Felsklippen reicht. Wenn wir es jedoch gemacht haben, waren wir hin- und hergerissen zwischen kitschig-verknallter Faszination und grenzenloser, Tränen in die Augen treibender Betroffenheit. Denn: Spaziert man einmal um die Felswand, die den sauberen Badesandstrand begrenzt, stolpert man eigentlich immer verdammt schnell über bergeweise Müll. Da ein rostiges Ölfass, ein paar Meter weiter zwei Dutzend zerdellte Plastikflaschen, hier ein zerfetzes, altes Fischernetz und dort bergeweise Plastikschnipsel, um die man im Zickzack läuft, um sich die scharfkantigen Teilchen nicht geradewegs in die nackten Füße zu bohren. Und wenn es ganz dicke kommt, steht man irgendwann auch noch vor ein paar toten Fischen oder Seevögeln, die sich in irgendwas verfangen haben, was definitiv nicht im Meer wächst und dort auch weiß Gott nichts zu suchen hat.

Was das mit uns zu tun hat.

Was wir damit sagen wollen? Dass wir auch keine Heiligen sind, was das Produzieren von Müllbergen im eigenen Haushalt betrifft. Dass wir manches mal beschämt die rote Spitzpaprika in den Einkaufskorb legen und uns ärgern, weil wir wieder die Sorte mit der Plastiktüte drumherum gekauft haben. Dass wir aber immer öfter alte Jutebeutel aussortieren und diese für den Kauf von Obst- und Gemüse verwenden, das naturgemäß gerne entzückende Matschflecken erzeugt, anstatt nach den allseits verfügbaren, hygienisch-reinen Plastiktüten zu langen. Und: Wir kaufen unsere Kosmetikartikel seit gut anderthalb Jahren in einer Form, die keine Verpackung benötigt. Einzig bei Zahnpasta werden wir noch schwach. Der Gedanke an kleine, schäumende Brausetabletten, die wir uns in den Mund schieben, irritiert uns noch etwas. Aber da kommen wir auch noch hin.

Die nackten Zahlen.

Es mag auf den ersten Blick läppisch erscheinen aber wenn man mal zusammenrechnet, was man im Bad so alles an Plastikmüll produziert, dann kann man gleich eine doppelte Schicht Rouge auf die Wangen pinseln. Da wird man nämlich blass vor Schreck. Ziemlich schön haben das die Jungs und Mädels vom Kosmetikhersteller Lush zusammengerechnet, die im Jahr 2015 satte 15.890.925 Plastikflaschen eingespart haben, weil sie allein ihr Haarshampoo in fester Form verkaufen. Der Spaß nennt sich „Shampoo Bar“, ist klein, rund, passt -verpackt in einer kleinen Blechdose – tausendmal besser in jede Reisetasche, reicht für sagenhafte 75 Haarwäschen und funktioniert genauso wie flüssiges Shampoo. Allein Lush hat dutzende verschiedene, wohlduftende und vor allem pflegende Sorten, so dass das Argument „Ich brauch aber mit meiner dicken, lockigen und trockenen Haarmasse was ganz Spezielles!“ auch nicht mehr zieht. Und nein, wir kriegen keinen müden Cent für das hier. Und auch kein Gratis-Shampoo. Leider, denn die sind echt gut.

Lush beschränkt sich bei der umweltfreundlichen Umhüllung ihrer Produkte jedoch nicht nur auf Shampoo. Mittlerweile werden 35% der Artikel nackig und nur in zu 100% recyclebaren, schwarzen Töpfen oder in kompostierbarer Zellulose verkauft. Und um nochmal ein paar beeindruckende Zahlen rauszuhauen: 2015 hat man bei Lush durch den Verkauf fester Bodybutter formschöne 17.000 Kilogramm Verpackung eingespart. Wenn man bedenkt, dass Plastik Schätzungen zufolge etwa 450 Jahre benötigt, um sich in Kleinstteile zu zersetzen, macht das eine Menge aus.

Was uns das bringt.

Warum wir jetzt speziell auf Lush rumreiten? Weil man hier die Möglichkeit hat verdammt viel Plastik auf so einfache Art und Weise einzusparen, dass es fast schon lächerlich ist. Weil man es einfach nicht merkt. Man muss nicht aufwendig in drei Dutzend verschiedene Shops rennen bis man was Verpackungsfreies gefunden hat, um dann hinterher zuhause festzustellen, dass der Kram mies riecht oder eine schlechte Qualität hat. Und ja, dafür zahlt man zwei drei Euro mehr. Aber das Tolle: Dafür reichen die Produkte auch länger und man benötigt eben nicht mehr drei verschiedene Cremes und vier verschiedene Haarpflegeprodukte, sondern nur noch eins. Langfristig gesehen rechnet es sich also. Und seien wir ehrlich: Wer steht nicht darauf, wenn man ein klein wenig das Gefühl hat etwas für seine Umwelt getan zu haben?


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